Eine unserer Flüchtlingsfamilien ist heute Morgen um 06:30 Uhr von der Polizei zur Abschiebung abgeholt worden. Vater, Mutter und zwei kleine Töchter.
Seit fast einem Jahr wohnen sie bei uns, sind Mitarbeiter unserer Gemeinde geworden. Gestern hat die Mutter einen genehmigten Arbeitsvertrag unterschrieben. Sie, die Lehrerin ist, hatte eine halbe Stelle bei der Nachmittagsbetreuung bekommen. Sonja hatte in der Deutschprüfung die höchste Punktzahl erreicht.
Ihre ältere Tochter galt als behindert. Hier bei uns stelle sich heraus, dass sie schwerhörig ist und weniger behindert als angenommen. Trotzdem ist sie jetzt nach unseren Ferien in eine besondere Schule gekommen und schon nach einer Woche total aufgeblüht. Ihre kleine Schwester ist letzte Woche eingeschult worden.
Sonja half mit in unseren Deutschkursen für unsere Freunde aus den Nationen.
Alles schien gut zu laufen. Wir wussten, dass der Asylantrag abgelehnt worden war. Eine Petition schien Erfolg zu haben.
Immer wieder hatte die Familie gesagt, wenn sie ausreisen müssten, würden sie freiwillig gehen. Das war den Behörden bekannt.
Trotzdem diese klamm heimliche Aktion.
Sie durften mit niemandem reden.
Einer Iranerin, die im gleichen Haus wohnt und "zufällig" die Aktion, die sehr schnell über die Bühne ging, konnte Sonja noch zurufen, dass sie telefonieren soll.
Die hat schnell geschaltet und angerufen, bei allen möglichen Stellen.
Es gab keinen Kontakt zu den Lieben.
Meine Schwester konnte irgendwann im Laufe des Vormittages mit Sonja über Handy sprechen, ganz kurz. Und sie hat mit der Bundespolizei und allen möglichen Stellen telefoniert. Nichts hat geholfen.
Unsere letzte Information war, dass sie alle vier in den Flieger nach Tirana/Albanien gesetzt würden. Das scheint so passiert zu sein.
Die Familie hatte Albanien verlassen, ist geflüchtet, weil es in Albanien keine Schule für die älteste Tochter gibt, auch keine Behandlungsmöglichkeit, auch keine Therapie. Sonja hat ihre Stelle dort verloren, weil sie eine "behinderte" (fast gehörlose) Tochter hat. Es ist unglaublich.
Und es war ein Schock für unsere anderen Freunde aus den Nationen, die bei uns leben und mit uns leben, denn alle hingen sehr an der Familie.
Gott hat andere Wege zu helfen. Wir beten und warten auf ein Wunder, wie Gott diese Situation löst, gerade auch für die kleine Ester. (Sie schreibt sich wirklich so.)
Da werden alle Kümmernisse und Beschwerden um die Beseitigung eines Wasserschadens ganz klein.