Einer unserer Obdis (aus dem Obdachlosenfreundeskreis) hatte lange Zeit einen "betreuten" Job bei uns in der Gemeinde, alles schien gut. Bis er vor einigen Monaten abtauchte. Dadurch Wohnung weg, Job weg. Doch seit ein paar Wochen ist er wieder da, hat einen Aushilfsjob beim Friedhofsgärtner bekommen. Wohnen tut er wohl bei einem Kumpel. Es wird dauern, bis ihm der OFK eine neue Wohnung vermitteln kann.
Heute war er zum ersten Mal seit er abgetaucht ist, wieder im Gottesdienst. Viele begegneten ihm zum ersten Mal wieder, zeigten ihre Freude, ihn zu sehen.
Ich hatte seit ein paar Wochen wieder Kontakt zu ihm über Fb. Und dort schrieb er mir vor drei Tagen per PN, ob ich mal am Grab von Einstein gewesen wäre. Ich sollte doch mal gucken und ich würde mich freuen.
Einstein ist der Vorgänger von Silas (dem jetzigen Hund meiner Schwester). Er hing sehr an ihm, war auch mit, als er eingeschläfert werden musste. Und er hat ihm auf dem Pfarrhausgrundstück das Grab ausgehoben und auch einen Hügel gemacht.
Silas, den Neuen, hat er auch gleich ins Herz geschlossen.
Aber was fand ich heute vor, als ich nachguckte. Er hatte (ist ja jetzt beim Friedhofsgärtner in Diensten) das Grab richtig hergerichtet und liebevoll bepflanzt.
Bitte sagt nicht, das sei Blasphemie oder ähnliches. Für ihn war das ein Liebesdienst an einem (seinem) Gefährten (und dessen Eigentümern).
Und vielleicht ist es auch deswegen heute, am Ewigkeitssonntag zum ersten Mal wieder im Gottesdienst gewesen, weil er an seinen "Gefährten" gedacht hat, während wir all derer gedacht haben, die in diesem Jahr aus der Gemeinde verstorben sind. Jeder wurde mit Namen genannt und es wurde ein Licht für ihn angezündet.
Egal, was ihn getrieben hat zu kommen. Er hat sich getraut. Und das war nicht leicht für ihn.
Und mich hat es angerührt, dass er für Einstein, den Pfarrershund, zum Ewigkeitssonntag das Grab hergerichtet hat.