Seit 65 Jahren kenne ich ihn. Kenne seine Familie und viele seiner Freunde.
Am Sonntag war er fröhlich wählen, war den ganzen Tag munter und ist abends ganz plötzlich gestorben. In der vergangenen Woche hat er noch voller Freude auf der Hochzeit seiner Nichte getanzt.
Gewiss, er war 86 Jahre alt. Aber er stand noch mitten im vollen Leben, unglaublich aktiv.
Doch er wünschte sich immer, dass Gott ihm einen schnellen Tod schenkt. Das hat Gott getan.
Und Hansi war bereit. Auch wenn er noch gerne lebte.
Seine Patchworkfamilie (er war mehrmals verheiratet), traf sich regelmäßig. Sie halten alle zusammen.
Hansi, der eigentlich Hans Gerhard heißt, aber von niemandem je so genannt wurde, hat viele Aufs und Abs in seinem Leben erlebt.
Meine erste Erinnerung an ihn reicht in die Jahre 1948/49. Mein Vater baute, nach Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft, die Jugendarbeit in Lüdenscheid wieder auf. Und Hansi gehörte zu den Mitarbeitern der ersten Stunde. Ich schwärmte für diesen Jungen, der damals 21/22 Jahre alt war und sicher keinen Blick für ein 8-jähriges Kind hatte.
Was haben wir uns in den letzten Jahren an unseren Erinnerungen erfreut, konnten manchmal nicht aufhören zu erzählen.
Hansi liebte Paul-Gerhardt-Lieder. Darum haben wir einige heute bei der Beerdigung gesungen.
Und er zitierte immer wieder und immer öfter mitten in der Unterhaltung oder beim Essen oder beim Fernsehen den Vers 6 aus "Der Mond ist aufgegangen". Da heißt es:
Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
lass uns in' Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.
Seine erheblich jüngere Witwe und seine Kinder aus dieser Ehe (Alter Mitte bis Ende zwanzig) und seine älteren Kinder aus der vorhergehenden Ehe, sowie seine Enkelkinder, die er so liebte, müssen nun lernen mit der Lücke zu leben, die er hinterlässt. Und doch stand heute die Dankbarkeit für sein Leben und seine Originalität und der Dank an Gott, für dieses geschenkte Leben im Mittelpunkt.
Den Vers über seiner Todesanzeige hatte er selbst ausgesucht. (Er war vorbereitet.)
Psalm 139,9
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.