Ich las, dass heute jemand alle starken Frauen der letzten 100 Jahre feiert. Toll.
Eine der stärksten Frauen die ich gekannt habe, ist meine
Mutter.
Als 7-jährige verfolgte sie mit einem Stocheisen bewaffnet einen Einbrecher.
Sie hatte den Mut meinen Vater zu heiraten.
Sie hat mich getragen, ertragen und durchgetragen. Und sie hatte mich lieb.
Ich sehe sie vor mir, russverschmiert, wie sie nach dem Aribeschuss die Räume über der Tankstelle löschte.
Mit einem Bollerwagen fuhr sie meinen Opa ins Krankenhaus.
Sie fuhr zum Hamstern, damit wir genug zu essen hatten, versorgte damit mehrere Familien.
Wir pendelten zwischen beiden Großelternhäusern hin und her, denn wir waren in Bielefeld ausgebombt.
Sie "baute" Gemeinde im Krieg und nach dem Krieg.
Als Vater aus der russischen Kriegsgefangenschaft heim kam, lernte sie im Schnelldurchlauf Ehefrau und Pfarrfrau zu sein.
Sie stemmte den Haushalt, die Pflege der Großeltern, war aktiv in der Gemeinde, war Anlaufstelle für die Gemeinde, war Seelsorgerin für viele in der Gemeinde.
Sie zog uns drei Töchter groß, wobei sie eine (3 Jahre alt) nach einem Jahr Krankheit und Pflege wieder an Gott abgeben musste.
Sie ging mit uns durch dick und dünn. Wir konnten mit ihr "Pferde stehlen".
Mit 84 stellte man Darmkrebs fest. Kurz nach ihrem 85. Geburtstag ging sie heim.
Doch sie ging erst heim, als sie sich von allen, die ihr in den letzten Jahren sehr nahe standen, verabschiedet hatte (von Vater, von uns, Bruder, Schwägerin, Ärztin, Gemeindeschwester). Danach sagte sie: "Ab jetzt müsst Ihr für mich sorgen", und fiel in Bewusstlosigkeit. Nach ein paar Tagen ging sie heim.
Sie hatte des Lebens ganze Fülle: Freude und Leid, Gutes und Schweres!
Sie stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen, voller Vertrauen auf ihren Herrn und Heiland Jesus Christus.