Seit Neuestem können wir unsere Tiefgarage per Fernbedienung öffnen. Ist eigentlich ganz praktisch. Das Teil ist sehr klein, liegt bei mir zwischen den beiden Vordersitzen in der Halterung für Becher o.ä.
Heute Morgen brachte ich mein Auto zur Wagenwäsche (innen und außen). Ich schaffe das nicht mehr, denn auf meinem Einstellplatz müsste ich viel hin und her schleppen, der ist etwas von der Haustür entfernt.
Da ich in meiner Lieblingstankstelle darauf warten konnte, die nach einer Renovierung eine wunderbare Imbissecke haben, wollte ich dort frühstücken, aber vorher noch im Aldi einkaufen.
Habe ich gemacht. Und nachdem ich an der Aldi-Kasse bezahlt hatte rief mir die Kassiererin was hinterher. Ich fühlte mich gar nicht angesprochen. Doch es zeigte sich, ich hatte die Fernbedienung verloren.
Irgendwie war mir die Seitentasche aufgegangen und das kleine Teil herausgefallen. Ich hatte es eingesteckt, weil es nicht im Auto liegen bleiben sollte. Wer hatte es gefunden? Die Mutter eines meiner erwachsenen Patensöhne, eine Pfarrfrau aus einem kleinen Vorort. Wir hätten uns nicht getroffen (haben uns sehr lange nicht gesehen), wenn ich das Teil nicht verloren und sie es nicht gefunden hätte. Dann ging es ans Erzählen und schwupp, gesellten sich noch eine alte Kollegin und ihr Mann, ein Nachbarsjunge von früher, mit dazu. Und es stellte sich heraus, dass sie alle Fragen hatten wegen unserer Flüchtlingsarbeit, weil sie inzwischen auch ganz frisch mit eingebunden sind.
In einer Ecke des Aldis standen wir mit unseren Einkaufswagen und redeten ohne Ende. Es war nichts mit Frühstück. Es war geschenkte Begegnung.
Mein Auto war fertig.
Auf der Rückfahrt sprang ich noch beim Bäcker rein. Es goss in Strömen und mit mir sprang noch jemand rein. Meine Cousine!
Und dann standen wir da und tauschten aus. Denn meine Patentante, ihre Mutter, die im Januar 96 wird, ist nun leider doch in ein Altenheim gekommen. Das Einleben ist schwer. Ich hatte zwei Tage vorher besucht. Wir tauschten aus, waren beide traurig.
Auch das war geschenkte Begegnung, denn auch wir hatten uns Monate nicht gesehen.
Der Vormittag war herum. Das Auto blitzt, innen wie außen. Ich war und bin erfüllt von den Begegnungen mit lieben Menschen, die ich alle nicht getroffen hätte, wenn ich nicht meine Fernbedienung verloren hätte.
Und nun weiß ich auch, dass meine Tasche vorne an ihrer Seitentasche nicht mehr richtig schließt. Da kommen jetzt höchstens Tempo-Tücher hinein, aber nichts Wertvolles mehr.