Das Telefon klingelt gestern am frühen Abend. Eine Freundin aus Marl ist dran, etwas aufgeregt. Ich solle mal schnell losfahren und mich kümmern. Die Freundin meiner Schwester stehe in meiner Stadt vor ihrer Haustür und warte bibbernd auf die Polizei, weil bei ihr eingeborchen worden sei. Da müsse man sich mal kümmern.
Ja, muss man. Rin in die Klamotten und losgesaust. Und die Polizei war gerade gekommen. Und die Freundin stand nicht mehr draußen, sondern saß bei Nachbarn. Als ich dort klingelte und um Einlass bat, kam mir die Freundin entgegen, sagte: "Ach Nenne", und dann klappten ihr die Beine weg, sie sackte zusammen. Es war alles zu viel.
Lange habe ich sie im Arm gehalten, dann ging es wieder. Nach der Spurensicherung konnten wir ins Haus, in dem sie alleine lebt, seit ihr Mann vor drei Jahren gestorben ist und die Kinder aus dem Haus sind.
Terrassentür ausgehebelt. Schubladen rausgerissen, im oberen Stockwerk Schränke durchwühlt, Matratzen hoch gehoben. Nichts geklaut. Komisch.
Inzwischen kam meine Schwester angerauscht und brachte noch zwei Leute mit. Sie hatte die Nachricht auf ihrer Mailbox vernommen, dachte wohl sie müsse noch Helfer mitbringen, um die Bösewichter zu vertreiben. Zwei verabschiedeten sich dann auch gleich wieder, weil es nichts zu vertreiben und zu tun gab.
Wir anderen sind spät gegangen. Die Liebe wollte unbedingt im eigenen Haus schlafen, wollte auch niemanden zum Schlafen bei sich haben. Sie hätte aber jederzeit, auch mitten in der Nacht, zu den Nachbarn gehen können. Die hätten sie auch abgeholt. Aber die Freundin fühlte sich trotz des Einbruchs geborgen in ihrem Haus und geborgen in Gott.
Heute Morgen habe ich lange mit ihr gesprochen. Sie ist spät schlafen gegangen. Hat gut und lange in den Morgen hinein geschlafen. War total müde, ist es noch. Auf der Station hat sie Bescheid gesagt, dass sie heute und auch morgen nicht zum Dienst kommt (Krankenschwester). Danach hat sie frei. Sie will es langsam angehen lassen mit dem Aufräumen. Hilfe möchte sie deshalb nicht, will in Ruhe alles durchsehen. Das verstehe ich. Sie weiß, dass sie jederzeit anrufen kann.
Irgendwie bin ich immer noch wütend und auch traurig, dass ihr das passieren musste.
Giselchen, bei Euch hat mich das auch getroffen, aber hier habe ich es so hautnah miterlebt, das geht mir noch mal anders an die Nähte.