Morgen wird sie beerdigt, die Cousine meiner Mutter. 86 Jahre ist die alt geworden. Gestern las ich die Todesanzeige. Seit dem tauchen in meinen Gedanken immer wieder viele Erinnerungen auf.
Der Bruder meiner Oma und seine Frau hatten 12 Kinder. Ein Sohn ist als junger Soldat gefallen. Alle anderen habe ich noch erlebt. Ich war klein, sie Jugendliche und junge Erwachsene. Wenn ich ins Haus am Grasacker an der Lenne in Werdohl kam, dann war das für mich wie Ferien.
Die Eltern gläubig, gründeten eine kirchliche Gemeinschaft. Die Kinder alle gläubig, arbeiteten z.T. hauptamtlich oder ehrenamtlich in christlichen Werken mit.
Welch ein Segen lag und liegt auf der Familie, aber auch wie viel Schweres. 6 der 12 Kinder hatten immer wieder schwere Depressionen, an denen auch ihre Mutter litt. Darum bin ich als Kind schon mit dieser Krankheit konfrontiert worden. Denn wir hatten ein enges Verhältnis zu unseren Verwandten im Nachbarstädtchen.
Inzwischen leben nur noch 2 der Geschwister. Eine Schwester lebt im Elternhaus am Grasacker ganz alleine. Eine Schwägerin lebt im Altenheim in der Nähe. Und der jüngste Bruder lebt in Korntal. Er hat selbst eine sehr große Familie.
Warum nur die drei Söhne und eine Tochter geheiratet haben, ist mir immer ein Rätsel gewesen. Die Ehe der Tochter und eines Sohnes blieb kinderlos. Ein Sohn wanderte nach Kanada aus, ist auch dort gestorben. An ihm hing meine Mutter besonders. Er war ihr "Sorgenkind".
Eine Familie, die das geistliche Leben ihres kleinen Städtchens geprägt hat, stirbt aus.
Zurück bleiben die Segensspuren, die diese Familie hinterlassen hat.